Montag, 15. Juni 2015

Videodreh zu dem Song “Euch zum Geleit” mit Schandmaul

Im Januar 2014 erschien das neue Album von Schandmaul "Unendlich". Zu diesem Anlass hatten wir Gelegenheit haben wir beim Videodreh einen großen Auftritt gehabt. 


Bild Internet: www.Schandmaul.de
 
Zeitiges Aufstehen für einen langen Drehtag in der Sächsischen Schweiz. Wir wussten nicht was auf uns zukommt. Am Treffpunkt sammelte uns ein Mitarbeiter des Filmteams auf und brachte uns zum Set. Am Set angekommen wart ein reichlich gedeckter Frühstückstisch. 

Zwei Bisse vom Brötchen und schon gabs Feuer...Maske! Schnell wir müssen zur ersten Szene. Stress so ein Leben am Set. 


War die Maske erstmal angelegt, gings zu einem spannenden Aufsieg bis auf ein Felsenplateau. Der Nebel des Morgens stieg so langsam aus den Wäldern.

Wir wurden in Gruppen eingeteilt und dann ging es los. Kurze Anweisung von der Regie und Action.


Einzelszene

Paarweise Wanderung von Tjaldur

Szene am Kuhstall... Nebel und Kamera und Action!

Die Band selbst war vor Ort um den Darstellern beizustehen.
Höhlenmaschine für Nebel mit ohrenbeteäubendem Lärm
 



Szene Rast auf einem Plateau

Gefühlte 100 Brote haben wir gebrochen und gegessen. Künstlicher Nebel war nix für zarte Nasen. Gut das keiner versehentlich im Nebel den Halt verlor.  

 














Die Pausen haben wir effektiv damit genutzt, uns etwas die Zeit zu vertreiben. Während im Hintergrund hart gearbeitet wird, wird hinter der Kamera Quatsch gemacht.






Hoch oben wird gedreht! Hier muss man Fit sein!




Gemütlich konnte er seinen Hobbit Wanderweg auf einer steinernen Treppe nehmen.


Immer wiederholen, bis es perfekt ist!


Noch letzte Vorbereitung für die Schlussszene. Die Puppe wird noch prepariert und auf den vorbereiteten Scheiterhaufen gelegt.  




Nun musste es schnell gehen! Sonnenuntergang...alle Darsteller ans Set. Kamera Action!



Entzünden des Feuers. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Echte Tränen floßen von allein. 



 

Fertiges Video kann man nun hier sehen!


hier gehts zum Video "Euch zum Geleit" von Schandmaul 


Ein herzliches Dankeschön dem Filmteam, die Darstellerkollegen und Paula Heroldin für diese tollen Eindrücke und Momente. Ein besonderes Dankeschön an die Band Schandmaul für diesen wunderschönen Song.

Freitag, 12. Juni 2015

Skjoldehamn-Gugel aus Norwegen

Es ist oft schwer in unserer Darstellungszeit ausreichend Informationen über Textile und Tracht zu erhalten. Oft können wir nur mit kleinen Fragmenten rechnen, die sich über die Jahrhunderte in Gräbern, Äckern und Mooren erhalten haben, aus denen man sicherlich viel wissenswertes über Webtechnik, Garne und deren Spinnweiße oder auch vereinzelt Nahtverbindungen entnehmen kann, jedoch nicht, wie das große Ganze ausgesehen haben könnte. 

So ist dem Universitätsmuseum Tromsø in Norwegen ein einzigartiger Fund gelungen. 

Das Moor gab eine "Gugel" nebst Skelettteilen, in einer Decke eingewickelt frei, welche bemerkenswert erhalten waren. Erste Datierungsversuche ordneten die "Gugel" in das 15 Jhd. ein. Erst durch weiteres Bemühen konnte man anhand der Knochen die zeitliche Datierung auf eine Zeit zwischen 1000 und 1210 Jhd. rückschließen. 

Die "Gugel" von Skjoldehamn, wird zur samischen Siedlungsgeschichte eingeordnet, welche an der Küste Nordlands siedelten. 


Einen schönen Bericht darüber kann man auch hier nachlesen:

http://www.julia-keil.de/files/ma_kapitel1.pdf 


Der Schnitt:

Ich habe gelernt, dass ich das Rad nicht neu erfinden muss, wenn es schon erfunden ist. Daher wäre ich sicher eine Kanidatin unter vielen die sich die Arbeit macht, um Schnittmuster aufzumalen. 

Ich hingegen probiere diverse bestehende Schnittmuster aus und vergleich sie. Eines was mir recht gut geholfen hat, habe ich hier gefunden:

http://kjarni-willison.de/wp-content/uploads/2015/04/Gugel-Skjoldehamn.pdf




Bitte unbedingt beachten!

Bitte passt bei den Maßen etwas auf, dass ihr Eure Schulterpartie wirklich vermesst, damit die Gugel nachher richtig passt. 

Ein Trick!
Wenn man das Rechteck in einem Stück (quasi im Stoffbruch näht und unten das Stück für den Einsatz des Vierecks aufschneidet, spart man sich Zeit/Nähte, die immer auch Schwachstellen an Kleidungsstücken sind. 

Wärme und Wasserabweisend wird garantiert, da ich die Gugel zweifach genäht habe und auf links verstürzt, so dass diese doppelt so dick ist. 

Ich verwende dafür ausschließlich pflanzlich gefärbten Wollstoff. .




Teile zugeschnitten und gelegt wie sie letztlich dran sollen

Seite am Stoffbruch soweit aufscheniden das Keil eingesetzt werden kann
Anstecken und Gesichtseinschnitt aufmalen



Detailansicht Gesichtsausschnitt
Alles zusammennähen und Gesichtseinschnitt aufschneiden. (Da ich unterfüttert habe vorm Aufschneiden unbedingt beide Teile der Gugel aufeinander bringen)

Unterseite noch Nahtkante versäubern
bei der übereinandergestürzten Variante empfielt sich diese Variante
Gesichtsausschnitt versäubern





 
Naht, ähnlich einem kleinen Hahnenkamm, aufsetzen die auf Fund aus ungeklärtem Grund sich befindet. Des Weiteren im Nacken noch ein kleines Bändchen aufnähen.






fertig!






Mittwoch, 10. Juni 2015

Wikingerschürze beidseitig tragbar

Wikingerschürze, welche man beidseitig tragen kann.



Eine Seite für gut aus Diamantköper gewebten Wollstoff mit handgewebten Wildseidenbesatz. Diese Seite meiner neuen Schürze zeigt, dass ich recht wohlhabend gewesen sein könnte. Gerade auch der Seidenbesatz unterstützt dies.



Die praktische Seite der Schürze

Die andere Seite meiner Schürze besteht aus Rohleinen naturbelassen und ist mit einer kammgewebten Borte aus pflanzengefärbten Wolle verziert. Das ist die praktische Seite der Schürze, denn diese Seite kann man gut einsetzen, um die kostbare Seite zu schohnen, in dem man für alltägliche Arbeiten, wo ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Schürze verschmutzt, eher die einfache günstigere Seite nach oben trägt, während die prunkvolle seidenbesetzte Seite der Schürze für die guten Anlässe vorbehalten bleibt. 

Das diese praktikable Lösung von Zwei in Eins allein meiner Fantasie entspringt ist natürlich klar ersichtlich. Aber dennoch genial, oder was sagt ihr? 


 






Der Schnitt


Im Eigentlichen empfehle ich immer, sich an die üblichen Schnittmuster von Wikingerschürzen (Rechteck/Keil-Variante) zu halten. 

Ganz klar ist, dass ich es für mich gelernt habe, meine Rechtecke und Keile insoweit besser auf meine Körperform anzupassen. Weiterhin arbeite ich viel mehr mit Keilen, als mit großen rechteckigen Stoffen. Mein Grund dafür ist simple: Vollständig Funde von ganzen quartratischen Stoffresten für Frauentracht sind mir nicht hinreichend bekannt. Zahlreiche kleinere Stofffragmente wurden gefunden und auch Nahtverbindungen schließen auf das Keilprinzip bei Kleidern. Ich empfinde es für mich als richtig, genau dieses Fragmentprinzip bei Kleidern anzuwenden, so wie die Kleidung eines Kindes ständig mit Besätzen und Keilen erweitert werden kann, wenn es herauswächst.

Grundschnitt besteht aus:

- 2 seitlichen Rückteilen
- 4 Keileinsätzen im Armbereich (reichen auch 2, je nach Saumweite, die man erzielen möchte)
- 2 seitliche Frontteile

Das ganze muss für Innenstoff Leinen und Außenstoff Diamantköper zugeschnitten werden. Sodann miteinander vernäht, so dass man quasi zwei Schürzen hätte, die dann aufeinander gelegt werden, so dass die Nahtkanten innenliegend sind. Die Ränder werden dabei verstürzt und aufeinander genäht. Besatz drauf und fertig.

hinten zusammengesteckt

Besatz aufbringen


Die Schürze ziert hier ein ganz besonderes Stück meiner Sammlung.

Je nach Einsatz der Schürzre trage ich eine vergoldete Fiebel von einer Goldschmiede gefertigt; eine 1:1 Replik aus Haithabu.

Museumsaufnahme Haithabu
Replik von einer Goldschmiede aus Schleswig



Samstag, 9. November 2013

englische Renaissance, Fertigung eines Tudor-Gewandes - Teil I -


Renaissance (hier von 1520 bis 1555)


Renaissance wird abgeleitet von "Rinascimento", auch "Wiedergeburt", also die Wiedergeburt antiker Ideale bedeutet. Die Persönlichkeit des Menschen rückte in den Mittelpunkt. 
Menschen lösten sich vom mittelalterlichem Denken und  setzten sich bewusst über kirchliche Lehren hinweg.
Eine Zeit der Erforschung von natürlichen Gesetzmäßigkeiten und des Bürgertums, welches immer weiter die wirtschaftliche, wie auch politische Macht übernahm. Künstler begannen ihre Umfeld neu zu entdecken, in dem sie Mathematik, Anatomie und Mechanik neu definierten. Reformen und bedeutenste Bauwerke entstanden. 

Die Mode dieser Zeit war zweifellos kreativ und bunt. Es gab keine einheitlichen Schnitte und keine Begrenzung in Farben. Individualität der eigenen Persönlichkeit. Man wollte sich von der Masse abheben, sich präsentieren und damit an Einfluss und Ansehen gewinnen.  Somit verwendete man Stoffe, wie Damast, golddurchwirkte Brokate, farbigen Samtstoff sowie Seide in allen Farben und Kombinationen. 

Die Renaissance teilte sich in verschiedene Phasen der Früh-, Hoch- und Spätrenaissance. Doch mein Blog ist kein Geschichtsnachschlagewerk, so dass ich mich um die Zeit ab 1520 bis 1555 befasse. 


Foto ist von: Marko Förster - beim Weesensteiner Mittelalterfest 2013

 

Fertigung eines Tudor-Gewandes


Was gehört alles dazu? 
- Untergewand
- Reifrock
- Überrock
- Schnürrbrust
- Kirtle
- Übergewand
- Cotta mit oder ohne Schleppe 
- Armzier
- Partlet
- French-Hood
- Geschmeyde
- Schuhe






Wo bekomme ich Schnittmuster?

Ich persönlich nutze aktiv den Tudor-Tailor.

http://www.tudortailor.com/patternshop.html

Zu beachten ist hierbei, dass alle Schnittmuster noch auf die Größen hochzuskalieren sind. Die Schwierigkeit dabei ist das INCH-Maß. Hierzu folgte ich den Tipp einer Freundin, einfach ein A3 Blatt als ein Raster in INCH zu benutzen und die Schittmuster erstmal 1:1 abzuzeichnen um sie dann in Weite und Länge auf mein Körpermaß zu erweitern oder eben zu verkürzen.








Alternative Seiten, wo man Schnittmuster erwerben kann:

http://www.neheleniapatterns.com/html/body_tudor.html



Andere Blogs zur Fertigung Tudor-Gewänder:






Recherche ist alles! 


Seiten die man unbedingt hinzuziehen sollte:




Typisch für die Zeit!


- faltenreiche bodenlange Röcke, die besonders weit geschnitten waren

- Miederoberteile sind körpernah geschnitten und mit großem Ausschnitt versehen. Nacken und Schulter durften dabei frei bleiben. Auf zahlreichen Abbildungen der Frührenaissance wird die Körperform sehr natürlich dargestellt, so dass man vemutet, dass die eingearbeitete Verstärkungen eher gering war. 

- Verschlüsse waren Schnürungen mit Kordeln, die vorn und hinten sein konnten




- Haare wurden gebunden oder offen getragen. Individuell verziert mit Perlenschnüren, dem Haarnetz oder Schleiern. Um die Frisur voller erscheinen zu lassen, füllte man die Haarenetze auch mit Wolle aus. Haare wurden sogar gefärbt. 


- Perlen und Edelsteine! Medaillons, Perlenketten mit und ohne Anhänger, Ketten mit emaillierten Perlen, sowie goldene Gliederketten waren typisch für diese Zeit.


Fächer aus Straußenfedern

 

So sieht man uns dann auch hier und da in der Öffentlichkeit: 




Rollenspiel Hoftag 2014


Foto von
Stefan Mundus-Weichert

Werbellin Mittelaltermarkt 2013
Foto von Mara von Werbelin